Das ändert sich 2019 für Patienten: neue Medikamente, schnellere Arzttermine, mehr Pflegepersonal

Das ändert sich 2019 für Patienten: neue Medikamente, schnellere Arzttermine, mehr Pflegepersonal

Im Jahr 2019 ändert sich im Gesundheitswesen einiges: u.a. geringere Zusatzbeiträge, mehr Vorsorgeuntersuchungen und Zweitmeinungen sowie fälschungssicherere Medikamente.

Am meisten werden sich Versicherte 2019 wohl über die geringeren Krankenkassenbeiträge freuen. Und Patienten dürfen mehr Pflegepersonal und viele neue Medikamente erwarten. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Änderungen einzeln vor.    

Neue Beitragssätze und Bemessungsgrenzen

Die Zusatzbeiträge der Krankenversicherung werden nicht mehr nur vom Arbeitnehmer gezahlt, sondern 50/50 zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt. Jedoch steigt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte auf insgesamt 3,05 Prozent. Wer über 23 ist und keine Kinder hat, zahlt einen Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,25 Prozentpunkten. Aber so genannte „Midijobber“ mit einem Einkommen zwischen 450 und 1300 Euro zahlen nur noch reduzierte Sozialversicherungsbeiträge (bislang lag die Grenze bei 850 Euro).

Wer Pflegestufe 4 oder 5 hat, bekommt künftig Taxikosten zum Arzt von der Krankenkasse erstattet (gilt auch für Pflegestufe 3, wenn dauerhaft eingeschränkte Mobilität festgestellt wurde). Wegen der Mütterrente II erhalten Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, einen halben Rentenpunkt mehr. Und wer seinen Beruf gesundheitsbedingt aufgeben muss, soll so viel Geld erhalten, als hätte er bis zum eigentlichen Renteneintrittsalter in die Rentenkasse eingezahlt.

Kürzere Wartezeiten auf Arzttermine

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) bringt ab 2019 zahlreiche Neuerungen, welche die Wartezeiten auf Arzttermine verkürzen sollen. So bauen die Kassenärztlichen Vereinigungen das Angebot der Terminservicestellen aus und vermitteln voraussichtlich ab dem 1. April neben Terminen beim Facharzt und Psychotherapeuten auch Termine beim Hausarzt. Ab dem 1. Juli 2019 führen sie außerdem in medizinischen Akutfällen Ersteinschätzungen durch und leiten Patienten ggf. an eine Arztpraxis, eine Portalpraxis an einer Klinik oder in eine Notfallambulanz weiter.

Darüber hinaus müssen niedergelassene Ärzte gesetzlich Krankenversicherten ab 2019 mehr Sprechstunden – mindestens 25 anstatt 20 Stunden pro Woche – anbieten. Die sogenannten „Fachärzte der grundversorgenden und wohnortnahen Versorgung“ müssen ab Mitte 2019 mindestens fünf Stunden in der Woche als „offene Sprechstunden“ anbieten, welche Versicherte ohne vorherige Terminvereinbarung besuchen können.

Anspruch auf ärztliche Zweitmeinung

Ab 1. Januar haben gesetzlich Krankenversicherte den Anspruch, bei geplanten Mandel-OPs und Gebärmutterentfernungen eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Ärzte, die diese OP-Indikation stellen, müssen die Versicherten über ihr Recht auf eine Zweitmeinung informieren. Der Anspruch soll auf weitere Eingriffe ausgebaut werden.

Mehr Gesundheitsvorsorge: Darmkrebsfrüherkennung und HIV-Schutz

Gesetzlich Krankenversicherte ab 16 Jahren mit einem besonders hohen Risiko für eine HIV-Infektion können sich voraussichtlich ab 1. Juli 2019 mit einer sogenannten medikamentösen Präexpositionsprophylaxe (PrEP) behandeln lassen.

Ab dem 1. Juli 2019 werden die gesetzlichen Leistungen zur Darmkrebsvorsorge ausgebaut. Männer haben dann bereits ab 50 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Krebsvorsorge – fünf Jahre früher als bisher. Dabei gilt eine neue Informationspflicht: Die Kassen klären ab dann ihre Versicherten jeweils im Alter von 50, 55, 60 und 65 über deren Leistungen bei diesen Vorsorgeuntersuchungen auf.

Mehr Pflegepersonal

13.000 Stellen sollen in der stationären Altenpflege – gestaffelt nach Bewohnerzahl -neu geschaffen und von der gesetzlichen Krankenkasse ohne finanzielle Beteiligung der Pflegebedürftigen finanziert werden. Um Pflegekräfte zu entlasten, wird die Digitalisierung gefördert. Die Pflegeversicherung stellt einmalig pro Einrichtung (ambulant oder stationär) 12.000 Euro zur Verfügung, um die Digitalisierung zu fördern und so Pflegekräfte zu entlasten. Die ambulante Alten- und Krankenpflege, insbesondere im ländlichen Raum, wird durch eine bessere Honorierung der Wegezeiten gestärkt.

Neue Medikamente und verbesserter Fälschungsschutz

2019 tragen Pharma-Unternehmen voraussichtlich wieder mit mehr als 30 neuen Medikamenten zu einer besseren Behandlung von Patienten bei, unter anderem mit neuen Antibiotika, die einige Bakterienarten mit Resistenzen gegen ältere Mittel bekämpfen können. Etwa jedes dritte neue Präparat, das in den kommenden Monaten seine Zulassung erwarten darf, dient dem Kampf gegen Krebs. Dass erstmals in der EU für ein Krebsmedikament ein gen- statt organ-bezogenes Anwendungsgebiet festgelegt werden könnte, zeigt den Erkenntnisfortschritt der Krebsforschung auf molekularer Ebene. Für viele Patienten heißt dies, dass neue Behandlungsmöglichkeiten sie schneller als früher erreichen können.

Andere Medikamente, die kommen könnten, sind gegen Grippe, Milzbrand und HIV-Infektionen gerichtet. Ein monoklonaler Antikörper soll beispielsweise für HIV-Infizierte herauskommen, bei denen die bisher verfügbaren Therapien versagt haben. Anders als Patienten mit dem häufigen Diabetes Typ 2 können Patienten mit der Autoimmunkrankheit Diabetes Typ 1 ihren Blutzuckerspiegel bislang nur mit Insulininjektionen in Verbindung mit Ernährungskenntnissen regulieren. 2019 könnte erstmals ein Medikament zum Schlucken hinzukommen, das die Zuckerkontrolle weiter verbessern soll.

Um Patienten noch besser vor gefälschten Arzneimitteln zu schützen, werden die Arzneimittelhersteller 2019 die Packungen aller ihrer rezeptpflichtigen Medikamente – ob neu oder schon Jahre oder Jahrzehnte auf dem Markt – mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen ausstatten. Dadurch wird jede Packung zum Unikat und kann in Apotheken und Krankenhäusern auf Echtheit geprüft werden, ehe sie zum Einsatz kommt.

Weitere Informationen:

https://www.vdek.com/politik/was-aendert-sich/gesundheitswesen-2019.html

https://www.vfa-patientenportal.de/arzneimittel/arzneimittel-und-versorgung/ausblick-2019-neue-medikamente-verbessern-die-versorgung

 

 

Foto: pexels.com