Das erwartet Patienten 2020: App auf Rezept, leichtere Arztsuche, Impfung in der...

Das erwartet Patienten 2020: App auf Rezept, leichtere Arztsuche, Impfung in der Apotheke

Das Jahr 2020 beschert Patienten einige Änderungen. So wird die Arztsuche erleichtert, Impfungen können von geschulten Apothekern durchgeführt und Gesundheits-Apps vom Arzt verschrieben werden.

2020 sollen Patienten schneller einen Termin beim Facharzt bekommen. Das freut sicherlich viele Versicherte. Weniger erfreulich hingegen: der Notdienstzuschlag in Apotheken erhöht sich. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Änderungen im Detail vor.   

Entlastungen für Betriebsrentner, Studenten und Kinder von Pflegebedürftigen 

Der allgemeine GKV-Beitragssatz liegt 2020 wie bereits im Jahr 2019 bei 14,6 Prozent. Die Zusatzbeiträge werden kassenindividuell erhoben. Der Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung (SPV) liegt ab dem 1. Januar 2020 unverändert bei 3,05 Prozent. Arbeitgeber und Beschäftigte tragen die Beiträge je zur Hälfte (jeweils 1,525 Prozent). Durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2020
steigt das Höchstkrankengeld von 105,88 Euro (2019) auf 109,38 Euro pro Kalendertag.

Pflichtversicherte Betriebsrentner werden bei ihren Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit einem Freibetrag entlastet: Erst für Renten von mehr als 159,25 Euro müssen sie künftig Beiträge zahlen. Entlastungen gibt es auch für Kinder von Pflegebedürftigen. Sie werden erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro an den Pflegekosten für ihre Eltern beteiligt.

Pflichtversicherte Studenten sind ab 1. Januar 2020 unabhängig von der Anzahl der studierten Semester in der studentischen Krankenversicherung (KVdS) versichert. Bislang endete die Versicherungspflicht mit Erreichen des 30. Lebensjahres oder Abschluss des 14. Fachsemesters – diese Semestergrenze entfällt nun. Eine weitere Änderung betrifft die studentischen Krankenversicherungsbeiträge, die ab dem 1. August 2020 auf 76,85 Euro im Monat steigen (zzgl. des kassenindividuellen Zusatzbeitrages und des Pflegeversicherungsbeitrages).

Terminservicestellen für die 24/7 Arztsuche

Zum Jahreswechsel weiten die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ihr Angebot für die Suche nach einem Facharzt aus: Patienten können dann bundesweit und rund um die Uhr die 116 117 anrufen. Dadurch sollen die Versicherten nicht länger als vier Wochen auf einen Termin warten müssen. Sogar in einem Notfall außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten sollen die Terminservicestellen weiterhelfen. Bei einer Überweisung zu einem Facharzt, wird ein entsprechender Termin vermittelt. Darüber hinaus unterstützen die Terminservicestellen auch bei der Suche nach Haus- und Kinderärzten. Anspruch auf einen bestimmten Arzt haben Patienten dabei jedoch nicht. Außerdem müssen niedergelassene Ärzte ab 1. Januar 2020 ihre Sprechstundenzeiten für Kassenpatienten ausweiten von 20 auf mindestens 25 Stunden.

Erhöhter Notdienstzuschlag für Medikamente 

Ab 1. Januar 2020 erhöht sich der Notdienstzuschlag, den Apotheken bei der Ausgabe rezeptpflichtiger Medikamente außerhalb ihrer regulären Öffnungszeiten erheben. Statt bisher 16 Cent müssen Patienten dann 21 Cent pro rezeptpflichtigem Arzneimittel (bei Betäubungsmitteln sogar noch mehr) in den Notdienstzeiten zahlen – also nachts, sonntags oder an Feiertagen. Darüber hinaus können Apotheker künftig auch bei Versicherten in der privaten Krankenversicherung, bei Beihilfeempfängern sowie Selbstzahlern vom Arzt verschriebene Arzneimittel durch wirkstoffgleiche ersetzen.

Impfung auch in der Apotheke möglich

Damit sich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen, soll dies künftig auch in Apotheken möglich sein. Die ausgewählten Apotheken müssen über entsprechend geschultes Personal sowie geeignete Räume mit entsprechender Impfausstattung verfügen. Das Verfahren wird über fünf Jahre in regionalen Modellvorhaben getestet. Botendienste von Apotheken sind bereits seit Ende Oktober 2019 auf Wunsch des Kunden jederzeit möglich und nicht wie bisher nur in besonderen Fällen, etwa bei eingeschränkter Mobilität des Patienten.

Leichtere Folgerezepte für chronisch Kranke

Für chronisch kranke Patienten wird es ab 2020 leichter, Folgerezepte zu erhalten. Dazu vermerkt der Arzt, ob und wie oft das Medikament auf dieselbe Verschreibung wiederholt abgegeben werden darf. Pro Rezept sind nach der Erstausgabe maximal drei weitere „Lieferungen“ durch den Apotheker möglich. Auch muss der Arzt angeben, wie lange das Folgerezept nach der Erstausgabe gültig ist. Fehlt diese Angabe, bleibt die Verschreibung drei Monate gültig. Das Arzneimittel ist jeweils in der gleichen Packungsgröße abzugeben. 

Rezepte für geprüfte Gesundheits-Apps möglich

Blutzuckerwerte dokumentieren, Tagebücher über Symptome führen oder bei Migräne oder Schwangerschaften mit Verhaltensempfehlungen unterstützen: Voraussichtlich ab dem zweiten Quartal des Jahres 2020 werden Ärzte ihren Patienten Rezepte für geprüfte Gesundheits-Apps CE-zertifizierter Hersteller ausstellen können. Dazu muss bis zum 31. März 2020 die Kassenärztliche Bundesvereinigung zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hersteller solcher Apps zertifizieren. CE-zertifiziert landen die geprüften Apps dann im Verzeichnis für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA-Verzeichnis), in dem alle kassenpflichtigen Gesundheits-Apps gelistet werden. Zusätzlich muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die App nach Kriterien wie Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datensicherheit und Datenschutz und als Medizinprodukt geprüft haben. Werden diese Anforderungen erfüllt, wird die App ein Jahr lang vorläufig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine Anwendung die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung.

Impfung gegen Masern Pflicht

Ab 1. März 2020 müssen Eltern nachweisen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft ist, bevor der Nachwuchs in eine Kita, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen wird. Die beiden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Masern-Impfungen (die erste im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten) sind hierbei Pflicht. Auch alle Mitarbeiter dieser Einrichtungen – also etwa Erzieher und Lehrer – sowie Tagesmütter, die nach 1970 geboren sind, müssen ab März gegen Masern geimpft sein. Im Masernschutzgesetz hat der Gesetzgeber die Impfpflicht zudem für Bewohner wie Beschäftigte in Asylbewerber- und Flüchtlingsunterkünften sowie für Pflegekräfte festgeschrieben. Eltern, deren Kinder vor dem 1. März bereits in der Schule oder Kita sind, müssen die Impfung bis spätestens 31. Juli 2021 nachweisen. Diese Frist gilt auch für das Personal in diesen Einrichtungen. Gegen Eltern, die ihre in Gemeinschaftseinrichtungen betreuten Kinder nicht impfen lassen sowie gegen nicht geimpfte Mitarbeiter in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen kann künftig ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro verhängt werden. Mit Inkrafttreten des Gesetzes darf künftig jeder Arzt Schutzimpfungen durchführen.

Einladung zur Vorsorgeuntersuchung für Gebärmutterhalskrebs

Frauen zwischen 20 und 65 Jahren bekommen ab dem neuen Jahr regelmäßig Post von ihrer Krankenkasse: Alle fünf Jahre werden sie damit jetzt zu einer Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs eingeladen und über Nutzen sowie Risiken der – altersabhängigen – Angebote des Früherkennungsprogramms informiert.

Fettabsaugen als Krankenkassenleistung

Ab 2020 bezahlen gesetzliche Krankenkassen Patientinnen mit ausgeprägten Lipödemen (Stadium 3) das Absaugen der Fettpolster durch einen Facharzt. Das Lipödem ist eine krankhafte Fettvermehrungsstörung, die an Armen und Beinen auftreten kann und insbesondere im Stadium 3 zu starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt. Das Krankheitsbild zeigt sich nahezu ausschließlich bei Frauen. Die Entscheidung zur Kostenübernahme ist bis Ende 2024 befristet. Bis dahin sollen dann auch Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu Nutzen und Risiken der Liposuktion (Fettabsaugung) in den Stadien 1 und 2 vorliegen.

Höhere Erstattung für Zahnersatz

Ab Oktober 2020 erstatten die gesetzlichen Krankenkassen 60 Prozent der Regelversorgung als Festzuschuss für Brücken, Kronen und Prothesen anstatt wie bisher nur 50 Prozent. Wer mit dem Bonusheft den regelmäßigen Zahnarztbesuch und Vorsorge nachweist, kann ab dem letzten Quartal 2020 dann auf bis zu 75 Prozent als Festzuschuss rechnen (bei einem über fünf Jahre geführten Bonusheft 70, bei einem über zehn Jahre geführten 75 Prozent).

Neue Medikamente

Wie schon in den vergangenen Jahren kamen 2019 besonders viele Arzneimittel gegen unterschiedliche Krebserkrankungen heraus. Erstmals erhielt ein Medikament die Zulassung zur Behandlung jeglicher Tumore, die eine bestimmte Genmutation (eine NTRK-Genfusion) aufweisen – unabhängig vom betroffenen Organ. Außerdem unter den 25 Neueinführungen: Medikamente gegen Infektionskrankheiten und Blutungskrankheiten, Entzündungskrankheiten, neurologische Krankheiten, Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten und Augenkrankheiten. 2019 wurde zudem ein neues Antibiotikum eingeführt, das auch gegen einige Erreger wirksam sei, bei denen mehrere andere Antibiotika wegen Keimresistenzen versagen. Fortschritte haben Pharma-Unternehmen auch mit neuen Darreichungsformen bekannter Medikamente erzielt, zum Beispiel für Kinder. So sind Medikamente zur Behandlung von Mukoviszidose, Wurmbefall und Epilepsie jetzt auch als Granulat, Suspension oder Kautabletten verfügbar. Für 2020 rechnet der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wieder mit mehr als 30 Neueinführungen. 

Weitere Informationen:

https://www.vdek.com/politik/was-aendert-sich/gesundheitswesen-2020.html

https://www.vfa-patientenportal.de/gesundheitswesen/gesundheitssystem/was-patienten-im-jahr-2020-erwartet

 

 

Foto: pexels.com

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